Die Rollwenzelei

Geschichte eines Hauses in der Geschichte

In der Königsallee in Bayreuth, auf dem Weg zur Eremitage, steht ein altes Haus. Es ist das ehemalige Zollhäuschen zu Colmberg, auch "Chaussee- und Traiteur-Haus" genannt.

Genaue Aufzeichnungen über Besitzungen etc. gibt es erst aus Nach - Napoleonischer Zeit, seit Anfang des 19. Jh., als zum Zwecke der zu erhebenden Steuer jeglicher (Grund-) Besitz staatlich erfasst wurde.

Doch ein Blick in die Geschichte lässt Zusammenhänge erahnen:

1194 wird „Baierrute“ erstmals urkundlich erwähnt. In dem Namen versteckt sich die Rodungstätigkeit (Reuth) bayerischer Siedler.

1248 vererbt Otto II. (bayerisches Grafengeschlecht von Andechs (- Meran)) Bayreuth an Friedrich III. von Hohenzollern in Nürnberg. Dieser lenkt nun den Handelsweg vom Knotenpunkt Nürnberg aus nach NO über Bayreuth. Der Stadt verleiht diese Maßnahme einen enormen Handelsaufschwung.

Seit 1283 gibt es in Bayreuth daher eine Zollstelle.
Bayreuth erlebt in der Folge eine Zeit der Blüte bis zu den Hussitenkriegen im 15. Jh., durch welche die Stadt erhebliche Zerstörungen erleidet.

1542 verlegt Markgraf Albrecht Alcibiades von Kulmbach (1522-1557) die Kanzlei des markgräflichen Hofes von Kulmbach nach Bayreuth.

1603 wird unter Markgraf Christian, die gesamte Hofhaltung von Kulmbach nach Bayreuth verlegt, nachdem das Meranierschloss (1565 ff) restauriert wurde.

Unter dem Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine erlebt die Stadt eine neue Blütezeit. In und um Bayreuth entstehen prächtige, bis heute berühmte Barockbauten.

1758 stirbt die berühmte Markgräfin Wilhelmine, fünf Jahre vor der Geburt Jean Pauls.

1769 erlischt die Bayreuther Linie der Hohenzollern wodurch Bayreuth zunächst an die Ansbacher Markgrafen fällt.

1791 dankt der Ansbacher Markgraf Karl Alexander zugunsten Friedrich Wilhelms II. von Preußen ab, Bayreuth wird preußisch.

1799 wird Heinrich Freiherr von Gagern in Bayreuth geboren, der spätere Präsident der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche (1848/49)

1804 zieht Jean Paul nach Bayreuth.

1807 wird Bayreuth französisch (Tilsiter Frieden), bis es endlich

1810 durch Napoleon an Bayern gegeben wird.

Ab 1805  sucht Jean Paul regelmäßig das Haus von Friedrich und Anna Dorothea Rollwenzel auf, die ihm eine eigene Schaffensstube einrichten.

Noch ist das Haus keine öffentliche Gastwirtschaft, erst am 1. November 1809 bekommen die Rollwenzels das offizielle Schankrecht.

Legenden besagen, dass die Wirtsleute das Schankrecht von Napoleon persönlich erhielten, nachdem sich die Rollwenzelin eines schwer verletzten französischen Soldaten annahm und ihn gesund pflegte.

Noch gehört das Haus dem Staat, erst 1812 kaufen es die Rollwenzels. Seitdem ist es, soweit bekannt, in Privatbesitz.

1830   stirbt die Rollwenzelin.

Was in den nächsten 26 Jahren mit dem Haus geschieht, bleibt vorerst noch im Unklaren.

Im Dachboden des alten Hauses wurde erst kürzlich ein „Auszug aus dem Grundsteuer-Kataster der Steuergemeinde Colmdorf für Haus Nummer 13 Chausseehaus (der damals offizielle Name der „Rollwenzelei“) gefunden, in dem die Chronologie ab 1856 dokumentiert ist:

Der erste Name, der genannt ist, ist der des Anton Ellmauer, Traiteur.

1856   erhält den Gesamtbesitz Johann Wilhelm Rößler

1863   erwirbt den Besitz Friedrich Ponfick

1871   geht der Besitz über auf Heinrich Häfner, Gastwirt von Streitberg

1876   an Friedrich Justinus, Traiteur    

Es ist das Jahr der Eröffnung des Bayreuther Festspielhauses mit der vollständigen Aufführung des „Ring der Nibelungen“ von Richard Wagner, der seit 1870 in Bayreuth wohnt und wirkt.

Seit 1876 ist die Rollwenzelei in der Familie weitervererbt worden. Nach dem Tode des Friedrich Justinus an seine Frau Babetta, danach an die Kinder Maria, Jette, Andreas, Albrecht und Peter. Erst kaufen die Brüder ihren Schwestern deren Anteil ab, letztendlich erwirbt es Andreas Justinus von seinen Brüdern. Dieser vererbt es seiner einzigen Tochter Else, verheiratete Mädl, die es nach ihrem Tode 2001 an ihre Tochter Gertrud, verheiratete Sommer weitergibt.

Bewegte Zeiten haben das Haus und seine BewohnerInnen erlebt. Verschiedene Zeitalter, kulturelle Höhepunkte, aber auch Krieg und Zerstörung. Das alte Haus, mit seinen nun riesigen Bäumen, unter denen schon Jean Paul gesessen hat. hat überlebt In ihm lebt auch die Erinnerung an die Wirtsleute Rollwenzel fort, die dem Haus seinen Namen gegeben haben, und an den großen Dichter Jean Paul, der die Rollwenzelei berühmt gemacht hat.

Telefon: 0921 - 98 02 18 Rollwenzelei | Königsallee 84 | D-95448 Bayreuth info@jeanpaulstube.de